Sachsen und seine bekannten Söhne

Meine erste Liebe?
Erste Liebe? Ach, ein Wüstling, dessen
Herz so wahllos ist wie meins, so weit,
hat die erste Liebe längst vergessen,
und ihn interessiert nur seine Zeit.

Meine letzte Liebe zu beschreiben,
wäre just so leicht wie indiskret.
Außerdem? Wird sie die letzte bleiben,
bis ihr Name in der „Woche“ steht?

Meine Abenteuer in der Minne
müssen sehr gedrängt gewesen sein.
Wenn ich auf das erste mich besinne,
fällt mir immer noch ein früh’res ein.

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Ich grüße Dich, mein lieber Leser,
heute mit diesem Gedicht von Joachim Ringelnatz. Eigentlich ist mein Lieblingsgedicht von ihm das in dem er unter anderem erklärt, das Wichtigste am Sieb sind die Löcher („Ich hab Dich so lieb“) Ich finde den Gedanken einfach genial. Darauf muss man erst einmal kommen.
Joachim Ringelnatz lebte von 1883 bis 1934 und hieß eigentlich Hans Böttcher, bevor er sich den Namen Ringelnatz, der Seepferdchen bedeutet, zulegte. Er trug vordem die verschiedensten Namen und übte die vielfältigsten Tätigkeiten aus. Deutschlandweit bekannt wurde er ab 1920 als Lyriker, Kabarettist und Maler.
Sein Geburtshaus steht dicht bei Leipzig, in Wurzen. Eine Ringelnatz-Stiftung und ein Museum findet man außerdem in Cuxhaven. Doch darf sich Wurzen als einzige Stadt in Deutschland „Ringelnatz-Stadt“ nennen. Die Bürger der Stadt Wurzen sind auf ihren bekannten „Sohn“ sehr stolz und arbeiten daran, mit Hilfe des Ringelnatz-Vereins das Haus in der Crastigall 14 zu restaurieren, zu erhalten und die Erinnerung an sein Schaffen wach zu halten.

Seine gemalten Bilder wurden in der Nazizeit als entartete Kunst eingestuft und mussten verschwinden. Dadurch sind ca 1/3 von ihnen bis heute nicht auffindbar.
Seine humoristischen und tiefsinnigen Gedichte, Lieder, Erzählungen und Moritaten aber sind nach wie vor in Deutschland beliebt.
Hast Du Interesse an seinen zum großen Teil fröhlichen und tiefsinnigen Arbeiten, die an Aktualität bis heute nichts eingebüßt haben, schau einfach in Wurzen vorbei. Zum Beispiel findet am 16. März dort in seinem Geburtshaus eine der vielversprechenden Veranstaltungen statt: „Freitags im Crastigall 14“.
Mit dieser Empfehlung möchte ich mich von Dir verabschieden. Bis bald einmal.
Lass es dir gut gehen und sei gegrüßt von

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